Klaus Pawlowski

Rhetorik  und Satire

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Wünsche


Dies Jahr ist jung noch, doch so down gelockt, 

dass mancher Wunsch bei mir in Quarantäne hockt.

Ich wünsch mir Tests. Ich bin für Qualität,

wenn es um Handys oder Wanderschuhe geht.

Und positiv getestet heißt ja dann:  

Dass ich mit diesem Kauf gut leben kann.

 

Drei Meter Abstand sind für mich o.k,

…wenn ich beim Dartspiel vor der Scheibe steh.

Doch möchte ich, statt nur von fern zu winken,   

mit meinen  Nachbarn wieder Kaffee trinken. 

Dann sprech ich gern auch übers Isolieren

von Sprossenfenstern oder Kellertüren.

 

Ich würd´ gern stundenlang die Bude lüften,

die Nase baden in den lauen Frühlingsdüften,

Drum möchte ich auch nur noch Maske tragen

am Bienenstock und an den tollen Tagen.

Und eine Spritze setz ich an für alle Fälle 

bei meinen Enkeln, klar: ne finanzielle.

 

Auch wünsch ich mir mal wieder eine Reise.

Und ganz weit fort: Brasilien beispielsweise.

Erfreu mich dort am sommerlichen Klima

und trinke mit dem Girl from Ipanema

ein kühles Bier am Strand, dem herrlich weißen.

Dies Bierchen darf auch gern CORONA heißen. 

 

 



Neun erhabene Momente

 

Dies neue Jahr war noch nicht dran,

Christ war noch nicht erkoren,

da fing’s schon an mit Ludwig van.

Wann war der bloß geboren?

 

Den Tauftag weiß man irgendwie,

denn das war Ludwigs Auftakt.

Er schrieb die erste Sinfonie

direkt nach diesem Taufakt.

 

Na klar, er war ja ein Genie.

Er war halt der Entrückte,

der seine zweite Sinfonie

stramm in die Windeln drückte.

 

Er war vier Jahre ungefähr,

da schöpfte der Besternte

die Dritte, als gerade er

aufs Töpfchen gehen lernte.

 

Schlagartig kam ihm Nummer vier.

Die fand der reich Gloriolte,

als Lehrer Neefe am Klavier

ihm mal den Arsch versohlte.


Die Fünfte brachte der Rubin,

als Vatern voll im Suff war.

Die Sechste kam ihm, als in Wien

mit Haydn er im Puff war.

 

 

Was er da „Pastorales“ sah,

das hat die Zeit verschliffen.

Vielleicht fand er „Erotica“

denn doch zu abgegriffen.

 

Doch lustvoll trieb die Siebte ihn.

Da war er mit Guilletta 

und seiner Schwester Josefin

zu Dritt im Bett, was nett war.

 

Die Achte, nun da war, ich glaub‘,

doch kann ich’s nicht beschwören,

er schon total entrückt und taub.

Das merkt man auch beim Hören.

 

Doch sagt‘s die Neunte nochmal fett:

Solch pralles Schöpferleben

von Windelkack bis Doppelbett

ist nur Genies gegeben.

 

Eins zeigt uns die Geschichte auch:

gottähnliche Talente

bedürfen für den Schöpfungshauch

erhabener Momente. 

                                                                                              Mozart zum Kugeln



Und Familie gibt es auch noch